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Cinébulletin 50 Jahre

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Geschichte und Gegenwart

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«Gäbe es (diese Plattform) nicht, sie müsste geschaffen werden, weil der freie Informations- und Gedankenaustausch innerhalb einer Branche wichtig ist»

- Walter Ruggle

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Im Herbst 1975 erschien die erste Ausgabe des Cinébulletins als Projekt des Schweizerischen Filmzentrums, der Vorgängerorganisation von Swiss Films, das die Zeitschrift bis 2001 herausgab und dann einem unabhängigen Verein übergab. Das neu gegründete Organ wollte «die Protagonisten und Protagonistinnen des neuen Schweizer Films, Produzenten und Produzentinnen, Regisseure und Regisseurinnen, technische Fachkräfte, Animatoren und Animatorinnen, Filmkritiker und -kritikerinnen sowie Filmclubs und Kinos zusammenführen», schrieb 2005 der Mitgründer der Zeitschrift Martin Girod.

Das Projekt unter der Leitung des damaligen Direktors des Filmzentrums David Streiff vereinte sechs Berufsverbände zur Schaffung eines gemeinsamen Kommunikationsorgans. «Jeder und jede sollte wissen, was die anderen tun», so der erste Chefredaktor Pierre Lachat.Das Ziel war, die bestehenden Verbandspublikationen durch eine gemeinsame Plattform mit informativem und symbolischem Charakter zu ersetzen. «Was kaum jemand für möglich gehalten hätte, wurde Wirklichkeit», analysiert heute Alex Bänninger, der von 1970 bis 1984 die Sektion Film im Bundesamt für Kultur leitete. «Was die Produzenten und Produzentinnen für richtig hielten, lehnten die Autoren und Autorinnen damals ab, die ihrerseits mit den Verleihern und Kinos über Kreuz lagen.» Diese brisante Ausgangslage machte die Gründung einer gemeinsamen Zeitschrift zu einem noch bedeutsameren Erfolg.




















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Das Cinébulletin entstand also in einem konfliktbeladenen Umfeld, geprägt vom Gegensatz zwischen dem «Neuen Schweizer Film» und der «alten Garde» der Kinos und Verleiher. Diese Spannungen zeichneten sich auch in den Schwierigkeiten beim Vertrieb von Schweizer Filmen ab. Die Anfänge waren geprägt von begrenzten Mitteln. Die handwerklich gefertigte Zeitschrift erfüllte jedoch eine wichtige Rolle in einer sich im Aufbau befindenden Branche.

«Damals wartete man jeden Monat auf die Bulletins, um sich über laufende Projekte, Produktionen und politische Entscheide zu informieren», erklärt Mischa Schiwow, der von 1998 bis 2012 verantwortlicher Herausgeber des Cinébulletins war, zuerst unter dem Filmzentrum und ab 2004 unter Swiss Films. «Es gab sehr unterschiedliche Ansätze, doch auch einen Willen etwas Gemeinsamens zu erschaffen», so der derzeitige Vereinspräsident Vincent Adatte.  
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Neben der Rolle als zentrale Sammelstelle der bis dahin auf verschiedene Verbandsblätter verteilte Mitteilungen wurde die Zeitschrift zu einer kuratierten Diskussionsplattform. Das inhaltliche Konzept wurde im Rahmen einer Redaktionskommission besprochen, in der neben den Redaktoren, das Filmzentrum und jeweils eine Person aus den beteiligten Verbänden vertreten waren.

Für die Leitung der Redaktion engagierte man bereits ab der ersten Ausgabe mit Pierre Lachat einen professionellen Journalisten, was als Wunsch nach einer gewissen Seriosität und einem langfristig gesehen qualitativen Aufbau der Publikation gewertet werden kann. Dass die Erwartungen der beteiligten Verbände einerseits sowie die Eingliederung in das Filmzentrum und spezifischer in dessen Inlandpromotion andererseits, auf den Inhalt der Zeitschrift Einfluss hatten, scheint unmissverständlich. Um eine redaktionelle Selbstständigkeit haben sich die Redaktoren immer bemüht. Davon zeugt auch die Existenz und Erneuerung der redaktionellen Charta.  



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Die Praxis sollte aber zeigen, dass es sich mitunter um einen zermürbenden Drahtseilakt zwischen den Interessengruppen handelte. «Man spricht von redaktioneller Freiheit und gewährt sie genau so lange, wie sie sich im eigenen Gesichtsfeld bewegt und nur den je eigenen Feinden an den Kragen rückt – darüber drückt man dem Redaktor jeweils den wärmsten Dank aus», zieht Walter Ruggle, Redaktor von 1983 bis 1985, 2015 für die 40 Jahre-Jubiläumsausgabe der Zeitschrift Bilanz.

Diesen Druck, zwar der Filmbranche zu Dienste zu sein (müssen), aber sich von ihr nicht instrumentalisieren zu lassen, haben viele im Redaktionsposten empfunden. Die finanzielle Abhängigkeit macht sich hier natürlich ebenso spürbar. Die unruhigen Zeiten in der Filmpolitik selbst, geprägt von mehr oder weniger dramatischen Wechseln in der Leitung des Bundesamts für Kultur, hatten Auswirkungen aufs Cinébulletin: «so entlud sich doch in einer Art wiederkehrendem Ritual von Zeit zu Zeit der angesammelte Missmut der zerstrittenen Branche in seltener Einhelligkeit über den CB-Redaktoren als idealen Sündenböcken», schreibt Martin Girod, Redaktor von 1988 bis 1993.

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«Ich selber verstand mich als diplomatischer Berichterstatter im Dienste der Branchenkohärenz», sagt Michael Sennhauser, Redaktor von 1993 bis 1996 und von 1999 bis 2001.
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Auch Françoise Deriaz, die die Zeitschrift während über zehn Jahren leitete, betont diese Spannung: «Die Verbände wollten vertreten sein, doch sobald man ein heikles Thema anschnitt, fühlten manche sich verraten oder ausgegrenzt. Wir mussten eine gewisse Neutralität bewahren und halbherzigen Konsens vermeiden.» Sie spricht auch die Herausforderungen des Vereinsvorstands an, der die Vielfalt der Partner repräsentieren sollte, jedoch oft hin- und hergerissen war zwischen politischen Zielen und journalistischen Anforderungen.

«Wenn wir ein etwas kontroverses Thema behandelten, erhielten wir sofort Anrufe. Gewisse Leute waren der Meinung, das Cinébulletin sollte ein einfaches Informationsbulletin bleiben und keine Plattform für Debatten», so Deriaz weiter. Noch heute bleibt die Findung eines Gleichgewichts zwischen den Positionen Grundabsicht der Zeitschrift. Die Rolle einer «freundlichen Tante» einzunehmen, wie es Clemens Klopfenstein sieht, wirkt dabei attraktiv.
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Was als dreimonatiges Pilotprojekt begonnen hatte, etablierte sich in der Folge zunehmend. «[...] in den drei Jahren seines Bestehens (ist es) zum unentbehrlichen Informationsorgan des Schweizer Filmschaffens (geworden)», heisst es im Tätigkeitsbericht des Schweizer Filmzentrums von 1978 unter der Leitung von David Streiff, ein Jahr später ist von einem «grossen Kreis an in- und ausländischen Interessenten» die Rede. 1980 wird die Bedeutung einer Sondernummer des Cinébulletins erwähnt, die «vor allem dazu bestimmt (war), die eidgenössischen Parlamentarier und Behörden über aktuelle Probleme des schweizerischen Filmschaffens zu informieren». Man wertete die Aktion als erfolgreich.

Das Cinébulletin hat seine Bedeutung als Referenzwerk für die Errungenschaften und die Dynamik der Filmbranche. Dem stimmt Ivo Kummer zu. Während seiner Zeit als Direktor der Solothurner Filmtage diente die Zeitschrift als wichtiger, und dank seiner kritischen Begleitung, seriöser Beleg, den man bei der Finanzierungssuche vorlegen konnte. Walter Ruggle betont die historische Funktion des CB: «Blättert man heute in den alten Heften, so blättert man auch in einem Archiv des Schweizer Films mit unglaublich viel Rohmaterial, das die Wanderungen durch die Zeit dokumentiert».  







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Gleichzeitig hebt Ruggle hervor: «Gäbe es (diese Plattform) nicht, sie müsste geschaffen werden, weil der freie Informations- und Gedankenaustausch innerhalb einer Branche wichtig ist». Davon ist auch Lucie Bader, Verlagsleiterin der Zeitschrift von 2014 bis 2022, überzeugt: «Für die ältere Generation ist es ein wichtiges Medium und eine Plattform für Debatten. Man hat sich gerne dort gelesen und tut es heute noch».

Martin Girod erinnert sich, dass es auch viel Überzeugungskraft brauchte, Branchenmitglieder zu konkreten Textbeiträgen zu animieren: «Ich wollte, dass Alain Tanner nicht nur ausruft, sondern klar Position bezieht». Deriaz ihrerseits betont die Rolle des Druckmediums als physische Verbindung zwischen den Landesteilen: «Darüber wurde viel debattiert, doch für mich bleibt die Druckausgabe ein Muss. Sie ist ein Bindeglied zwischen den Sprachregionen, ein greifbares Mittel für die Filmschaffenden, um sich über Neuigkeiten in der Filmpolitik und den Verbänden zu informieren.»


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Mit der Digitalisierung der Gesellschaft hat sich der Konsum von Information verändert. Die Aufbereitung von nackten Daten migriert ins Internet und bietet auf dem Papier mehr Platz für thematische Auseinandersetzungen. «Es ist gut, wenn das CB mehr als nur eine Nabelschau ist», sagt Bader.

Die Vertiefung der aktuellen, internationalen Themen im Heft helfe bestimmt auch dabei, den Nachwuchs als Leserschaft zu gewinnen, ergänzt sie. Niccolò Castelli, Regisseur und künstlerischer Leiter der Solothurner Filmtage, sieht die Zeitschrift als wichtiges Beobachtungsinstrument: «Im Cinébulletin entdecke ich Gesichter, Themen und Projekte, die sonst noch nirgends auftauchen. So bleibe ich auf dem Laufenden über die Entwicklungen in der Branche». Dennoch würde er sich wünschen, dass die Zeitschrift zuweilen klarer Stellung bezieht, «insbesondere zu internen Konflikten oder den grossen Veränderungen in der Branche.» 






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In einem Umfeld, wo die Sichtbarkeit ungleich verteilt ist, betont Lucienne Lanaz (siehe Interview) die Anerkennungsfunktion des Cinébulletins: «Es bringt Lebensläufe ans Licht, die sonst in geschlossenen Netzwerken verborgen blieben.»In dieses Kapitel gehört auch die Bemühung der letzten zehn Jahre dem Filmschaffen aus der italienischen Schweiz eine Plattform zu geben. Die beschränkten Mittel ermöglichen immerhin die Produktion von zwei Seiten pro Nummer, die von einer italienischsprachigen Korrespondentin gestaltet werden.

Die politische Funktion des Cinébulletins zeigt sich vor allem in Zeiten der Mobilisierung. So wurde die Zeitschrift bei wichtigen Kampagnen wie «No Billag» oder «Lex Netflix» zu einem strategischen Werkzeug, wie Roland Hurschler, Geschäftsleiter von ARF/FDS betont: «In diesen Zeiten spielte das Cinébulletin eine entscheidende Rolle, indem es die Branche in den politischen Debatten unterstützte und den Austausch zwischen den Berufsgruppen förderte». Eine solche Legitimität setzt seiner Meinung nach auch die Fähigkeit zur kritischen Beurteilung voraus – einschliesslich der eigenen Förderer: «Die Zeitschrift muss sich trauen, Fragen aufzuwerfen, auch gegenüber ihren Geldgebern.»


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Die Finanzierung war und ist das zentrale Thema, wenn es um die Herausforderungen für die Zeitschrift geht. Im Tätigkeitsbericht des Filmzentrums von 1981 steht, das Cinébulletin «hat mit zunehmenden finanziellen Problemen zu kämpfen». Von Anfang an kam das Budget über einen Beitrag des Bundes, über die Mitgliederbeiträge der Verbände, die Abonnements und Inserate zusammen. Von einem monatlichen Erscheinungsrhythmus ist man heute bei sechs Ausgaben im Jahr angelangt.
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Der Aufbau einer leistungsfähigen Internetseite gleicht den reduzierten Umfang zumindest teilweise aus. «Der Inhalt hat seine Kontinuität bewahrt», sagt Brigitte Meier von Suissimage, «Auch bei nur sechs Ausgaben im Jahr besteht eine sehr dichte Information und Aktualität».Dieser Wandel widerspiegelt die veränderten Gewohnheiten und die Notwendigkeit, sich in der Zeitschrift auf Inhalte zu konzentrieren. Adatte betont, «die Frage der Dreisprachigkeit und ihrer Finanzierung» bleibe eine grosse Herausforderung.

«Zudem versuchen wir, ein Gleichgewicht zu finden zwischen verstärkter Online-Präsenz und fortdauernder Druckausgabe.»Um diesem doppelten Anspruch gerecht zu werden, muss der Verein, der über beschränkte Mittel verfügt, flexibel bleiben, damit es auf die verschiedenen Anforderungen reagieren kann.

Die Zeitschrift muss ihre redaktionelle Unabhängigkeit bewahren und zugleich die institutionellen Förderorganismen von der Legitimität ihrer Entscheidungen überzeugen. Wie der ehemalige Leiter der Zeitschrift, Thomas Tribolet, betont, war bisher eine der Stärken des Cinébulletins immer, «klein zu bleiben, um fortzubestehen», und die Verankerung in der Branche im Fokus haben.  



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Repräsentation




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Erinnern Sie sich an Ihren ersten Kontakt mit dem Cinébulletin?

Wenn ich mich nicht irre, kenne ich die Zeitschrift seit ihren Anfängen. Das war um 1975, richtig? Ja, genau, ich begann 1974 meinen ersten Film und 1976 den zweiten. Das Cinébulletin war ein Teil dieser kreativen Zeit.Sind Sie der Zeitschrift über die Jahre treu geblieben?Ja, ich lese sie heute noch. Ich finde darin immer interessante Artikel. Natürlich nicht alle, aber ich schätze die Vielfalt. Vor allem die Dreisprachigkeit finde ich sehr wichtig. In einem Land wie unserem ist das ein rares Gut.

Welche Veränderungen sind Ihnen an der Zeitschrift besonders aufgefallen?

Ich würde sagen, dass heute technische Aspekte mehr im Vordergrund stehen und es weniger philosophische, humanistische Artikel gibt. Doch ich verstehe, dass dies den Bedürfnissen der jüngeren Generation entspricht: Sie braucht Werkzeuge, um ihre Filme zu machen.

Wie hat sich die Stellung der Frauen im Cinébulletin verändert?

Zu Beginn waren Frauen inexistent – wie überall. Man wollte nicht einmal wissen, dass es weibliche Filmschaffende gibt. An den Solothurner Filmtagen waren wir drei oder vier, und wir mussten kämpfen, um überhaupt zu Wort zu kommen. Das änderte sich, als man begann, Filme von Frauen zu zeigen, in Solothurn wie in Zürich. Dort habe ich um 1977 andere Regisseurinnen wie Isa Hesse getroffen, mit der ich mich anfreundete. Das war für mich ein Schlüsselerlebnis, ich fühlte mich weniger allein.

Sie haben Ihre Filme oft selbst produziert. Trug das Cinébulletin zu deren Sichtbarkeit bei?

In der Anfangszeit nicht wirklich, wenn ich ehrlich sein soll. Die Zeitschrift war recht chauvinistisch, doch das war damals der Zeitgeist. Als später neue Redaktorinnen hinzukamen, änderte es sich. Heute ist das Cinébulletin meiner Meinung nach ein wertvoller Raum, wo man sogar in einem so zersplitterten Land wie unserem zusammenfinden kann.

Sie haben 1975 die Gruppe CH-Filmfrauen gegründet. Was waren ihre Ziele?

Es ging in erster Linie um Freundschaft. Wir trafen uns bei mir, sprachen über unsere Projekte und Schwierigkeiten. Wir hatten weder die Kraft, noch die Mittel, eine Produktionsstruktur aufzubauen, doch das Netzwerk bot uns moralische Unterstützung. Es war nichts Offizielles, ich glaube nicht einmal, dass das Cinébulletin darüber berichtete. Doch für uns war es wichtig.

Wie nehmen Sie heute die Debatten über Geschlechtergleichberechtigung im Cinébulletin und in der Gesellschaft wahr?

Offen gesagt geht mir das ein bisschen zu weit. Ich verstehe, dass man heute das Thema Geschlecht im weiteren Sinn behandelt, doch für mich zählt die reale Gleichstellung aller Menschen! In Bezug auf Entlöhnung, psychische Belastung, Anerkennung. Nicht die mediale Aufmerksamkeit. Meine Befürchtung ist, dass man vor lauter Debatten über Etiketten das Wesentliche vergisst.

Wie beurteilen Sie die heutige Schweizer Filmbranche?

Mich stört die mangelnde Vielfalt in den Jurys der Auswahlkommissionen: viele in den Vierzigern, kaum Senioren und Seniorinnen. Und die Kürzung der Kulturfördergelder ist dramatisch. Kultur ist ein Eckpfeiler unserer Gesellschaft. Wenn wir sie aufgeben, verlieren wir etwas Grundlegendes.

Arbeiten Sie zurzeit an einem neuen Projekt?

Ja, ich produziere den Film «Victorin et Mlle Bichcuits» von Julie Frund-Pozner, ein wunderschönes Projekt für Kinder, das Animation und Theater auf feinfühlige und fantasievolle Weise verbindet. Wir sind mitten in der Produktion.
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L'incroyable Lulu!
Ein Film von Mathias Wälti

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Grafische Gestaltung

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Während die redaktionelle Aufgabe des Cinébulletins ziemlich konstant geblieben ist – informieren, vereinen und die Herausforderungen der Branche analysieren – hat sich seine grafische Erscheinung stetig verändert. Die Titelseiten der Zeitschrift zeugen vom Wandel in der redaktionellen Gestaltung und in der Wahrnehmung des Schweizer Filmschaffens.

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Die erste Titelseite von 1975 ist radikal nüchtern: geometrische Typografie aus parallelen Linien, kein einziges Bild und eine strenge Gestaltung. Die Zeitschrift präsentiert sich als Bulletin im wahrsten Sinne des Wortes und als Instrument für die Mitglieder der ersten sieben Berufsverbände.

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1976 bleibt das Design karg, doch der Titel wird dynamischer und wirkt dank der unterschiedlich breiten Linien fast dreidimensional – ein erster Schritt hin zu einer weniger starren visuellen Identität.
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1977 wird die Schrift einfacher und der Text besser lesbar, doch es gibt immer noch keine Bilder – eine Nüchternheit, die damals typisch war für Fachpublikationen.
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Der Einzug der Bilder

1980 markiert einen Wendepunkt: Zum ersten Mal ziert ein Bild die Titelseite – ein Mädchen in Bewegung, aus dem Film «Le Chemin perdu» von Patricia Moraz.
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1981 erscheint erstmals ein ganzseitiges Bild. Im Jahr 1984 läutet das Cinébulletin eine neue ästhetische Ära ein: Zwei stilisierte schwarze Silhouetten überqueren eine Brücke vor einem leeren, weissen Hintergrund. Dieses Spiel mit Fläche und Abstraktion bringt eine neue erzählerische und visuelle Dimension ein. Der schräge Schriftzug «Solothurn 84» erzeugt grafische Spannung, im Gegensatz zur Statik der früheren Titelseiten. Die feinere und leicht kursive Schrift schafft eine intimere Atmosphäre und lockert das Ganze auf. Im Lauf der Jahre wird der Titel unauffälliger und erscheint zuweilen zentriert und in kleinerer Schrift.
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Um die Jahrtausendwende wird die Gestaltung dichter und strukturierter. 1999 erscheinen die Rubriken auf der Titelseite, die Titel werden farbig, die visuelle Identität festigt sich. Das Erscheinungsbild wird professioneller und passt sich an damals übliche Zeitschriftenformate an.
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2014 geht das Cinébulletin zu einer puristischen Gestaltung über: «CB» wird zu einem festen Logo, und der Text macht grossformatigen Bildern Platz, die zum Ausdruck der visuellen Identität werden. Die Zeitschrift ist zweisprachig gestaltet, wobei abwechselnd die deutsche oder französische Version der Beiträge an erster Stelle steht.
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Die neueren Ausgaben, wie April-Mai 2022, bestätigen die Tendenz zu einer strukturierten Gestaltung: ganzseitiges Bild, weisser Schriftzug, rote Titel. In einem halben Jahrhundert hat sich das Cinébulletin von einem Informationsbulletin zu einer Zeitschrift gewandelt, wo Bild und Ästhetik eine zentrale Rolle spielen – eine Entwicklung im Einklang mit dem Wandel der Medienlandschaft.  
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Unsere Leserschaft

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Im März 2025 schickte Cinébulletin all seinen Abonnenten und Abonnentinnen einen Fragebogen zu, um die Erwartungen der Leserschaft besser zu verstehen. 36 Personen nahmen an der Umfrage teil – eine bescheidene Zahl im Hinblick bedenkt man die Auflage der Zeitschrift.

Praktisch alle Teilnehmenden gaben an, im Film- oder audiovisuellen Sektor zu arbeiten. Am stärksten vertreten war mit 43 Prozent die Altersgruppe von 41 bis 60 Jahren, gefolgt von den über 60-Jährigen mit 31 Prozent.

Die Befragten sind mehrheitlich männlich und deutschsprachig: 60 Prozent der Antworten kamen aus der Deutschschweiz, 25 Prozent aus der Westschweiz und 15 Prozent aus dem Tessin, was zufällig einer realen Verteilung der Leserschaft entspricht. Eine Mehrheit von 57 Prozent bevorzugt das Papierformat; nur 2,8 Prozent der Teilnehmenden lesen das Cinébulletin ausschliesslich Online.


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In Bezug auf die Form wurden moderate, aber klare Vorschläge eingebracht. Einige wünschen sich bessere Lesbarkeit durch grössere Schrift und indem man die Form mehr der Information unterordnet. Andere Stimmen erwarten aber genau gegenläufig dazu eine zunehmende Integration von Bildelementen und Illustrationen.

Wenn es um die inhaltliche Strukturierung der Zeitschrift und die Vorliebe für die eine oder andere Rubrik geht, sind (fast) alle Meinungen vertreten. Für Diskussionen sorgt die Eingliederung der italienischen Schweiz über eigene italienischsprachige Seiten, da die Sprachenvielfalt grundsätzlich begrüsst wird, aber auch angeregt wird, Themen nicht nur nach Regionalität zu organisieren.

In Bezug auf Tonalität und Stil der Zeitschrift gehen die Meinungen der Befragten auseinander. Viele schätzen die ihrer Ansicht nach «engagierte», «kritische» und «professionelle» Berichterstattung. Einige stellen aber auch eine gewisse «Monotonie» oder zu grosse «Neutralität» fest.
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Die Antworten auf die offenen Fragen nach auszubauenden Themenbereichen fielen sehr unterschiedlich aus und zeugen von einem starken Wunsch nach redaktioneller Vertiefung. Oft genannt wurde der Animationsfilm, der nach der Ansicht einiger Lesender zu wenig vertreten ist: «Animationsfilm!», so eine der Rückmeldungen. Hier zeigt sich eine gewisse Subjektivität, die auch Ausdruck der inspirierenden Leidenschaft ist, die unsere Branche kennzeichnet.

Zahlreiche Befragte wünschen sich eine intensivere Auseinandersetzung mit der nationalen und internationalen Filmpolitik. Dabei werden Fördermassnahmen, institutionelle Debatten und Diversität als Themenbereiche genannt, die detaillierter behandelt werden sollten. Andere würden mehr Beiträge zu technischen Berufen begrüssen, um «manuelle Arbeit und Handwerk in einer zunehmend digitalisierten Welt aufzuwerten».

Die prekäre Situation vieler Kunstschaffender wird auch genannt, zum Beispiel im Bereich der Altersvorsorge, sowie die Herausforderungen in Bezug auf Bilderziehung, Kinderfilme und Zugänglichkeit der Inhalte. Manche bedauern die mangelnde internationale Ausrichtung: «Es wird zu wenig über Schweizer Erfolge im Ausland berichtet», oder: «Mir fehlt eine richtige Analyse des Desinteresses des Publikums für das aktuelle Filmschaffen.»

Die Aufforderung, das Cinébulletin in wenigen Worten zu umschreiben, wurde am häufigsten mit Ausdrücken wie «informativ», «aktuell» und «unverzichtbar» beantwortet. Doch auch hier gab es kritische Stimmen, welche die Zeitschrift als «zu kurz», «zu schnell gelesen» oder «zu nüchtern» bezeichneten.  



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Nachwuchs

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Cinébulletin lanciert «Nachwuchs», einen neuen Podcast, der der jungen Generation von Filmschaffenden in der Schweiz gewidmet ist. Dieses Format bereichert die zentrale Mission von Cinébulletin: Die Akteure der Branche über alle Generationen hinweg zu informieren, zu vernetzen und zu repräsentieren.

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In Zusammenarbeit mit den Filmfachhochschulen der Schweiz (ECAL, HEAD, HSLU, ZHdK, CISA) präsentiert Cinébulletin auf der Plattform cinebulletin.ch in der neuen Rubrik Fotogramm monatlich ausgewählte, noch unveröffentlichte Atelierfilme von Studierenden.
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Herausgeber: Association Cinébulletin
Verlagsleitung: Daniela Palumbo
Chefredaktion: Adrien Kuenzy, Teresa Vena
Redaktionsassistenz: Alexandre Ducommun
Grafik: Ramon Valle 

2025 © Cinébulletin




Bildnachweise:
Micha Schichow © zvg
Pierre Lachat © zvg
Walter Ruggle © zvg
Michael Sennhauser © zvg
Françoise Deriaz © Solothurner Filmtage
Alain Tanner © Collection Cinémathèque suisse 
© Pexels / Lé Minh
Vincent Adatte © zvg
Adrien Kuenzy © zvg
Illustration © Julie / Julot Wuhrmann
Lucienne Lanaz © zvg
«Giuseppe», Isabelle Favez © zvg
«Plastic Boomers» © JungeTalente.ch 

Wenn nicht anders angegeben: zvg







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